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Donnerstag, 13.12.2001



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Die Zukunft ist Vergangenheit

Der Künstler Marcel van Eeden und wie er die Welt sieht


Ein Mensch, der seinen Blick ausschließlich in die Vergangenheit richtet, ist entweder schon sehr alt oder ein Künstler. Marcel van Eeden ist Jahrgang 1965 und fällt damit in keiner Weise unter die erste Rubrik. Er ist Künstler, der als alleiniges Ausdrucksmittel die Schwarz-Weiß- Zeichnung gewählt hat, die er allerdings sehr bildmäßig mit allen Nuancen an Graustufen anlegt. Mit energischem, kräftigem Strich entwirft er Menschen, Dinge, Pflanzen, kleine intime Szenen und große öffentliche Plätze. Die Art der Darstellung erinnert häufig an Filmszenen oder Fotografien. Und tatsächlich zeichnet van Eeden nicht aus seiner Phantasie, sondern hält sich streng an seine fotografischen Vorlagen, die aus Zeitungen oder Zeitschriften stammen, aber ebenso auch privater Natur sein können. Einzige Voraussetzung für ihren Einsatz im zeichnerischen Werk von Eeden, ist, dass sie vor 1965 entstanden sein müssen.

In seiner Kunst gibt es nur den Blick zurück in die Zeit vor seiner Geburt. Den Anfang machten Fotografien seiner Wohn- und Geburtsstadt Den Haag, als wollte er sich seiner Zugehörigkeit zu diesem Ort für immer und ganz besonders für die Zeit vor seiner körperlichen Anwesenheit versichern. Was als eine besondere Form der Aneignung der direkten Umgebung begonnen hat, dehnt sich immer weiter aus und entwickelt sich zu einem Bild der Welt in der Vor- van-Eeden-Zeit. Da es sich dabei ausschließlich um ein durch fotografische Übermittlung existierendes Bild handelt, geht es nicht um Dokumentation, sondern um eine Interpretation des Zeitgeschehens, das aber nicht nach den üblichen Kriterien von Wichtigkeit und Bedeutung aufgearbeitet wird.

Van Eeden lässt sich von seinen Funden und damit vom Zufall bestimmen. Indem er die Fotografien nicht einfach nur sammelt, sondern abzeichnet, greift er selbst noch einmal in das Weltgeschehen von früher ein und interpretiert es, allerdings nicht mit Worten und Begriffen, sondern intuitiv unter der Führung seiner Hand. Sein Geburtsjahr gilt ihm zwar als Zäsur, der Zeitraum davor aber wird nicht begrenzt – so wird ihm der Stoff für seine Welt-Bild-Geschichte wohl nicht so schnell ausgehen.

(Galerie Michael Zink, Theresienstraße 122a, Rgb., bis 22. Dezember. Gleichzeitig ist im Videoraum im Tiefgeschoss „Message To My Best Friend“ des britischen Künstlers Alan Curral zu sehen.)

HANNE WESKOTT


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